Der Bikergruß: Grüßt du noch oder hast du schon eine Warnweste an? Früher war alles einfach: Man sah ein Motorrad, man hob die Hand. Heute gleicht der Bikergruß einer Wissenschaft. Von Harley-Hierarchien, dem Schweigegelübde der BMW-Fahrer und der neuen Angst vor rollenden Powerbanks. Ein satirischer Blick auf die Etikette der Landstraße.

Die erste mögliche aktive Phase der motorisierten Fortbewegung ging leider an mir vorbei, da ich dem ersten Jahrgang angehörte, welcher eine Prüfbescheinigung für Mofas benötigte. Ich muss leider gestehen, dass ich bei der Mofaprüfung aufgrund von Mängeln in der Vorbereitung gnadenlos durchfiel. Trotzdem erlangte ich bereits in dieser Zeit Wissen über eines der ungeschriebenen Gesetze der Zweirad-Szene.

Sehr beliebt waren damals in unserer Gemeinde die Puch Maxi-S und Puch Maxi-N mit 2-Gang-Motor. Allerdings gab es zu dieser Zeit bereits Zweifel, was denn cooler sei: eine Puch mit Feder- oder Starrrahmen. Aber trotz dieser Zweifel grüßten sich Puch-Fahrer natürlich untereinander. Anders war es dann schon gegenüber Fahrern mit Mofas von Herkules, Zündapp oder Piaggio. Diese allenfalls Geduldeten durften eher nicht auf die Erwiderung ihres Grußes hoffen. Und dann gab es noch, wenn auch eher wenige, VeloSolex-Fahrer. Es gibt ja nun einige Arten von Gefahrensuchern, aber als Solex-Fahrer war es zu damaliger Zeit in unserer Gegend eher nicht ratsam, sich einer Gruppe Puch-Leute zu nähern. Man konnte sich relativ sicher sein, dass es statt eines freundlichen Grußes eher Beifall in einer etwas radikaleren Art und Weise klatschte.

Erfreulicherweise war meine Mutter an meinem 16. Geburtstag der gleichen Meinung wie ich, dass die Anschaffung eines 80er Mopeds (ich benötigte leider ihr Geld) unabdingbar war. So konnte ich mit einer Honda MT8 die zwei Jahre bis zum Motorrad ganz gut überbrücken. Da die Dinger damals, anders als die 125er heute, noch nicht wirklich nach Motorrad aussahen, wurde man seinerzeit noch nicht mal aus Versehen von einem Motorradfahrer gegrüßt. Und sollte es doch mal einem Motorradfahrer aus Unachtsamkeit passiert sein, bin ich mir sicher, dass ihm die linke Hand abgefault ist und er schon lange in Frührente weilt.

Anfang der 80er Jahre ging es bei mir und vielen anderen los mit dem ersten eigenen richtigen Motorrad. Und irgendwie war es am Anfang, was das Grüßen anbelangt, wie im Darkroom im Swingerclub: Jeder konnte mit Jedem. Es wurde gegrüßt, was einem so entgegenkam. Was vielleicht daran gelegen hat, dass es noch gar nicht so viele Motorradfahrer gab und man sich einfach freute, einem Gleichgesinnten zu begegnen.

Doch irgendwann begann es mit den BMW-Fahrern. Man merkte: BMW-Fahrer grüßen nicht. OK, scheiß drauf. Dazu gesellte sich im Laufe der Zeit die Harley Owner Group. Nicht zu vergessen die Fahrer der Einbauküchen auf zwei Rädern, die zum Grüßen keine Zeit haben, weil sie mit ihren 30 Bedienknöpfen beschäftigt sind. Aber im Prinzip war das Ganze viele Jahre ganz OK. Man wusste: BMW-Fahrer grüßen nicht, Harley-Fahrer grüßen nur Harley-Fahrer und Goldwing-Fahrer sind zu beschäftigt.

Und heute? Heute könnte man eine soziologische Abhandlung zur Thematik verfassen. Nehmen wir als Beispiel die Harley-Fahrer. Früher grüßte man sich als H.D.-Fahrer einfach, man gehörte ja den göttlichen, elitären Kreisen unter den Motorradfahrern an. Was haben wir jetzt? Der Shovel im Starrrahmen lässt schon mal die radiobeschallte, vollummantelte Road King mit ABS und Tempomat mit verächtlichem Blick ungegrüßt an sich vorbeiziehen. Nix mehr mit dem Wir-Gefühl unter den Harley-Fahrern.

Wobei ich mir gerade überlege, ob sich BMW-GS-Fahrer eventuell per Zeichensprache darüber verständigen, sich an der nächsten Ampel Hilfestellung durch gegenseitiges Stützen zu geben, um mit den hochbeinigen und sauschweren Koffern nicht über Kopf zu gehen.

Dann gibt es natürlich so einiges, was eine ganz natürliche Sperre der linken Hand bewirkt. Papageien-Kombis zum Beispiel. Und der liebe Gott bewahre uns vor einem Gesetz zum Tragen von Warnwesten. Ob Warnwestenträger früher wohl VeloSolex gefahren sind? Und wer außer Warnwestenträgern grüßt Warnwestenträger?

Und dann ist da noch die neueste Heimsuchung der Neuzeit: Die Elektro-Fraktion. Da genießt man gerade den sonoren Takt seiner Verbrennungskraftmaschine, und plötzlich zieht geräuschlos etwas an dir vorbei, das klingt wie eine flüchtende Straßenbahn oder der Pürierstab meiner Oma auf Extasy. Grüßt man so etwas? Ich bin da skeptisch. Wahrscheinlich trauen sich die Piloten dieser rollenden Powerbanks gar nicht, die Hand vom Lenker zu nehmen – der kurzzeitig erhöhte Luftwiderstand durch den ausgestreckten Arm könnte ja sofort drei Kilometer Reichweite kosten. Und wer will schon liegenbleiben und im Wald nach einer Steckdose suchen, während die „echten“ Mopeds weiterdonnern?

Ich denke, dass man als richtiger Biker keine Rollerfahrer, Trikefahrer oder Quad-Fahrer grüßt, muss nicht explizit Erwähnung finden. In diesem Sinne: Die Linke zum Gruß!

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