Kutte mit Klettverschluss – oder das Problem mit dem F
Das F und die 6 – Symbole der Rocker

Das F ist ein Buchstabe, der in Rockerkreisen eine klare Botschaft symbolisiert.
Im Gegensatz zur gutbürgerlichen Gesellschaft, in der der Buchstabe für alles Schöne im Leben steht, nämlich Fressen, Ficken, Fernsehen, steht das F in Rockerkreisen für das englische „Forever“. Auf Deutsch: für immer.
Statt des Buchstabens F findet auch die Zahl 6 Verwendung in der Symbolik, da das F zufällig der sechste Buchstabe im Alphabet ist.
Ein Beispiel für die Verwendung auf einem Patch wäre MFFM für „Muster MC Forever, Forever Muster MC“. Oder als Zahlencode: die 61 für „Forever ABOMINOGS“.
Auf ewig mein
Das Doofe an Forever: Es endet nie. Forever ist eine Entscheidung ohne Rückfahrschein. Das kennt ihr vielleicht vom Traualtar: „Bis der Tod uns scheidet.“
Dem aufmerksamen Beobachter in der Motorradclub-Szene wird auffallen, dass Patches mit dieser Symbolik seit längerer Zeit ziemlich inflationär Verwendung finden. Noch nie stand so oft „Forever“ auf den Kutten – und gefühlt wurde noch nie so oft gewechselt.
Dabei ist der Gedanke dahinter eigentlich ein guter. Schließlich trifft man eine Entscheidung, die wegweisend für das weitere Leben sein wird. Man bindet sich an eine Gemeinschaft, die für Zusammenhalt und Freundschaft stehen sollte.
Clubliebe statt Vaterlandsliebe
Mal abgesehen von lockeren Fahrgemeinschaften steht ein Motorradclub auch für einen Ehrenkodex mit klaren Werten wie Loyalität und Respekt.
Die Kutte und das Colour, für die Hangarounds und Anwärter oft jahrelange Aufnahmeprozesse durchlaufen, sind für Full Member ein Heiligtum.
Man könnte in diesem Sinne, wenn auch vielleicht nicht ganz korrekt, Rocker als Patrioten bezeichnen. Der Begriff Patriotismus ist für Deutsche historisch etwas belastet, da er häufig als Synonym für Vaterlandsliebe verwendet wird.
Aber leicht umgedeutet in Clubliebe sollte das politisch korrekt sein. Emotionale Verbundenheit und Identifikation mit dem eigenen Club können schließlich nicht verkehrt sein.
Oder etwa doch? Verkehrt sicher nicht. Nur: Clubliebe, die beim ersten Streit endet, war nie Liebe.
Der Klettverschluss als praktisches Add-on

Wie finde ich jetzt die Kurve zum Klettverschluss?
Wenn man so wie ich fast eine Handvoll Jahrzehnte in der Motorradfahrer- und Clubszene unterwegs ist, wundert man sich immer wieder, wie gering bei einigen die persönliche Resilienz zu sein scheint. Also die Widerstandskraft, Krisen zu bewältigen. Statt eine Krise im Club auszusitzen, wird beim ersten Gegenwind die Kutte an den Nagel gehängt.
Ich habe im eigenen Club viele Mitglieder kommen und gehen sehen. Bei denen, die gegangen sind, konnte ich die Entscheidung teilweise durchaus verstehen. Manchmal war man auch nicht unbedingt unglücklich darüber. Aber ganz oft haben mich Austritte überrascht und auch entsetzt.
Völlig sprachlos macht es einen allerdings, wenn Ex-Member kurz nach ihrem Austritt mit einem neuen Colour in der Clubszene aufschlagen.
Und, ganz nüchtern betrachtet, ist so ein Vorgang club- und szeneübergreifend keine Seltenheit. Einige Szene-Gesichter scheinen regelrechte Club-Jumper zu sein.
Hier sollten sich Mann und Club gleichermaßen die Frage stellen: Wo ist er eigentlich geblieben, der viel beschworene Ehrenkodex der Rocker-Szene?
Denn ein Club, der einen Wechsler nach wenigen Wochen in Farbe steckt, entwertet seinen eigenen Hangaround- und Anwärterweg und damit die Kutten seiner Mitglieder.
Natürlich ist unser aller Leben dynamisch, und Veränderungen gehören dazu. Sicherlich gibt es nachvollziehbare Gründe, die einen Clubwechsel rechtfertigen können. Niemand muss bis ans Lebensende in einem Club bleiben, wenn die Voraussetzungen dafür nicht mehr gegeben sind.
Aber wenn man sich schon für einen Wechsel entscheidet, dann doch bitte mit einem für beide Clubs ehrenhaften zeitlichen Abstand. Bei uns ABOs geht für Wechsler unter einem Jahr nichts, zwei Jahre sind eher die Regel.
Ein wenig Abstand würde zumindest den Eindruck vermeiden, dass das alte Colour kaum ausgezogen war, bevor das neue bereits übergestreift wurde.
Oder anders ausgedrückt: Wer sich ewig bindet, sollte wenigstens wissen, worauf er sich einlässt.
Und wer ein Colour mit dem Anspruch auf Forever trägt, sollte sich vorher überlegen, ob er tatsächlich eine Lebenseinstellung verkündet oder nur eine vorübergehende Befestigungsmethode bevorzugt.
In diesem Sinne: 61.
Forever ABOMINOGS
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